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Vereinschronik

Die Mudauer sind besonders sangesfreudig. So können sich ältere Bürger noch gut daran erinnern, dass sie in der Kinder- und Jugendzeit an stillen Sommersonntagabenden von den Straßen rings um den Ort mehrstimmige Gesänge erklingen hörten. Wenn heute noch Alte und Junge in froher Runde beisammen sind, dann erwachen die alten Mudauer Lieder zu neuem Leben.

Über die Gründerzeit schreibt Dr. Theodor Humpert, der verstorbene Ehrenbürger der Gemeinde:

,,Als man in den Tagen des 11. bis 13. Mai 1845 in Mannheim das zweite badische Sängerfest feierte, fanden sich insgesamt 30 Sängervereine dort ein. Von allen Städten und Dörfern kamen sie, die östlich der Eisenbahnlinie lagen. Unter diesen 30 Vereinen war, wohl als kleinster, auch der Sängerverein Mudau, der einzige aus dem badischen Hinterland.

Aus dieser Tatsache, für die eine Einladungsdrucksache als Beleg dient, ist zu entnehmen, dass sich schon um das Jahr 1840 sangesfrohe Sänger zu einem Sängerverein zusammengeschlossen haben; denn kaum Sänger, die kaum ,,flügge" sind, lassen sich nicht auf einem Landessängerfest sehen und hören.

In den turbulenten Jahren in der Mitte des 19. Jahrhunderts, den Aufständen, der wirtschaftlichen Not, kam es sicherlich zu einem Rückschlag, bis am 19. Februar 1862 eine Wiedergründung vollzogen wurde. Unter der langjährigen Stabführung von Oberlehrer Schnorr (bis 1872) und Hauptlehrer Pfeiffenberger (1872-1881) nahm der Verein eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. Ein erster Höhepunkt ist aber gewiss der konsequenten musikalischen Arbeit des Hauptlehrers August Grimm, des Vaters des späteren Ehrenbürgers Mudaus, des Kunstmalers Artur Grimm, zu verdanken.

Anlässlich des silbernen Jubiläums des Gesangvereins ,,Frohsinn" nach seiner Wiedergründung fand am 3. Juli 1887 in Mudau das 4. Sängerfest des Odenwälder Gausängerbundes unter Teilnahme von 11 auswärtigen Vereinen statt. Im Jahre 1891 durfte man die Hauptversammlung des Odenwälder Gausängerbundes ausrichten. Zu einem besonderen Festtag wurde der 10. Juli 1898, an dem die Fahnenweihe, verbunden mit einem Gausängerfest des Odenwälder Gausängerbundes und mit einem Preissingen gefeiert wurde. Hierbei errang der ,,Frohsinn" den 1a-Preis und im Juli 1899 bei einem Sängerwettstreit der ,,Liederhalle" Heidelberg bei stärkster Konkurrenz mit 29 Sängern den 1c-Preis. Chorleiter und Sänger wurden damals mit Glückwünschen überschüttet und man empfing die am frühen Morgen mit einem Fuhrwerk von Eberbach kommenden mit reich beflaggten Häusern. Selbstverständlich standen auch Gemeindeverwaltung, Feuerwehr und Kriegerverein zu einem würdigen Empfang bereit.

Nach dem Tode des geschätzten Chorleiters August Grimm folgten viele wechselvolle Vereinsjahre und die Dirigenten wechselten häufiger. Unter dem hervorragenden Musiker Emil Fettig (1904-1910) erfolgte wieder ein beachtlicher musikalischer Aufschwung. Das Jubelfest im Juni 1913 sollte dann vorerst die letzte große Festveranstaltung der Sänger bleiben, denn kurz nachdem Hauptlehrer Heinrich Spall die Dirigentenrolle übernommen hatte, brach der 1. Weltkrieg aus und zahlreiche Sänger mussten ihren Kriegsdienst leisten.

Nach dem Kriege wagte Heinrich Spall mit 29 Aktiven einen Neuanfang. Infolge der zielstrebigen Arbeit konnte die Sängerschar im Juli 1925 von einem Preissingen in Mosbach den 1a-Preis mit nach Hause bringen.

Im Jahre 1926 gab H. Spall den Dirigentenstab an Reinhard Hormuth weiter, der die beachtliche musikalische Arbeit bis 1930 fort setzte. Anschließend begann für den ,,Frohsinn" eine recht unruhige Zeit und Chorleiter und Vorstände wechselten häufig.

Die beiden engagierte Sänger Wilhelm Mai als Vorsitzender und Karl Breunig als Chorleiter gaben sich alle Mühe, um dem Verein über diese schwere Zeit und die anschließenden Kriegsjahre hinweg zu helfen, Ein besonderes Verdienst erwarb sich Hauptlehrer Maximilian Czapka, der den Verein 1946 übernahm und systematische Aufbauarbeit leistete. Durch verschiedene gelungene Auftritte und Veranstaltungen förderte man das Zusammengehörigkeitsgefühl und durch zahlreiche neue aktive Mitglieder leitete man einen erfreulichen Aufschwung ein.

Mit Edmund Scholl konnte man im Jahre 1949 einen begnadeten Chorleiter gewinnen. Unter dessen Stabführung und der tatkräftigen Unterstützung der Vorsitzenden Karl Götz (1949-1958) und Willi Müller (1958-1971) hatte man beachtliche Erfolge bei Konzerten, Kritik- und Freundschaftssingen. Erstmals in der Geschichte des ,,Frohsinn“ wurde von ihm ein Frauenchor ins Leben gerufen, so dass für Konzerte auch ein gemischter Chor gebildet werden konnte. Mit Nachdruck förderte Edmund Scholl die Geselligkeit im Verein, da er davon überzeugt war, dass sie ein unentbehrlicher Faktor für ein intaktes Vereinsieben darstellt. Während seiner langjährigen Tätigkeit im „Frohsinn“ und als Kreischorleiter erwarb er sich große Verdienste. So wurde er im Jahre 1959 beim Kreissängerfest in Mudau für 40-jähriges Dirigenten- und 30-jähriges Kreischorleiterjubiläum geehrt.

Im Jahre 1971 erfolgte ein großer Umbruch im ,,Frohsinn“ Mudau. Gerhard Kistner übernahm den Vorsitz im Verein und Edmund Scholl übergab den Dirigentenstab an seinen Sohn Klaus Scholl. Während dieser die hervorragende musikalische Arbeit seine Vaters fortsetzte, was die zahlreichen Erfolge bei Kritiksingen und Konzerten belegen, steuerte Gerhard Kistner den Verein durch seine ruhige, aufgeschlossene, aber stets zielgerichtete Art, auf stetigem Wege einem weiteren Höhepunkt entgegen. 

Mit 80 Aktiven erlebte der Verein zahlenmäßig aber auch leistungsmäßig und im geselligen Bereich mit vielen Highlights, viele Glanzjahre. Aus gesundheitlichen Gründen musste Klaus Scholl im Jahre 1990 den Dirigentenstab abgeben. Die Suche nach einem qualifizierten Nachfolger erwies sich als recht schwierig. Ungewöhnliches Glück hatte der emsige Vorsitzende Gerhard Kistner, als er mit Bernold Ballweg aus Walldürn einen hervorragenden Musikpädagogen gewinnen konnte. Dieses dynamische Gespann führte den Verein in die Zeit des 150-jährigen Jubiläums, das in den Jahren 1992 und 1993 gefeiert wurde.

Einzigartig in der Geschichte des Vereins dürfte die Romreise im Jubiläumsjahr sein. Nach intensiven Vorbereitungen weilten über 150 Mudauer vom 29. Mai bis 4. Juni 1992 in der ,,Ewigen Stadt“. In der Barockkirche St. Ignazius bewältigte man ein hervorragendes Jubiläumskonzert, das wegen der besonderen Akustik höchste Konzentration von Chorleiter und Sängern abverlangte. Als Organist begleitete in gekonnter Weise Rosenwirt Heinrich Link. Im Petersdom erlebten die Mudauer Sänger eine Papstmesse mit Heiligsprechung. Von besonderem musikalischem Interesse war die gesangliche Gestaltung eines Gottesdienstes im Petersdom. Die während der Reise gewonnenen Eindrücke, sowie die gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse werden für alle Reiseteilnehmer unvergesslich bleiben und sich weiterhin positiv auf das gesamte Vereinsleben auswirken.

Anlässlich des Jubiläums fand in der katholischen Pfarrkirche am 29. November 1992 ein Konzert statt. Ein Satz im Zeitungsbericht zu dieser einmaligen Veranstaltung gibt Leistungsstand und auch die Harmonie innerhalb des Vereines wieder: ,,Eine Sternstunde in seiner an Glanzpunkten nicht armen 150-jährigen Vergangenheit erlebte der Gesangverein ,,Frohsinn 1842“ Mudau bei seinem Jubiläumskonzert“.

Im Jahre 1993 rundete man die Jubiläumsfeierlichkeiten mit dem Kreissängerfest des Sängerkreises Buchen, verbunden mit Kritiksingen, ab.

Der Aufschwung im Verein unter der Regie des Vorsitzenden G. Kistner ist auch durch eine Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Geselligkeit zurückzuführen. So werden zahlreiche Vereinsausflüge, seien es Städtereisen wie Rom, Paris, Wien, Prag oder Ausflüge in die herrliche Bergwelt für alle Teilnehmer unvergesslich bleiben.

In den 90er Jahren war man seitens der Vorstandschaft bestrebt, den emsigen Verein gut ins neue Jahrhundert zu führen. So ist es ein Verdienst des Vorsitzenden Kistner, dass er sich darum bemühte, dass allmählich eine Verjüngung in der Vorstandschaft stattfand, nachdem in seiner Ära zahlreiche junge Sänger für den Verein gewonnen werden konnten. So erbrachten die Wahlen zu Beginn des neuen Jahrtausends einen gewünschten Umbruch, nachdem Gerhard Kistner den Vereinsvorsitz in jüngere Hände legte.

Der rund 180 Mitglieder zählende Verein, davon sind momentan 75 aktive Sänger, wird seit Januar 2000 von folgender Führungsmannschaft geleitet:

 

1. Vorsitzender:         Christoph Müller

2. Vorsitzender:         Stefan Schäfer

1. Schriftführer:         Uwe Lenz                      Stellvertreter: Gerhard Engelhard

1. Kassier:                 Andreas Müller               Stellvertreter: Günter Rögner

Chorleiter:                 Bernold Ballweg

 

Diese Mannschaft und alle Vereinsmitglieder werden sicherlich darum bemüht sein, die Erfolge der vergangenen nahezu 160 Jahre entsprechend fortzusetzen.

 

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